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DHT und Haarausfall: So treibt das Hormon den erblichen Haarverlust

Erblich bedingter Haarausfall entsteht, wenn das Hormon DHT genetisch empfindliche Haarfollikel nach und nach schrumpfen lässt. DHT-Blocker setzen genau hier an, indem sie den Hormonspiegel senken. Was medikamentöse und „natürliche" Blocker wirklich leisten, liest du hier.

Dr. Christian Drerup

Geschrieben von: Dr. Christian Drerup

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DHT und Haarausfall: So treibt das Hormon den erblichen Haarverlust

Hinter dem erblich bedingten Haarausfall steckt ein Hormon: Dihydrotestosteron, kurz DHT. Es entsteht im Körper aus Testosteron und lässt bei entsprechender Veranlagung die Haarfollikel an Stirn und Oberkopf allmählich schrumpfen. Die Haare werden feiner und kürzer, bis sie ganz ausbleiben. Genau dieser Zusammenhang erklärt, warum viele Behandlungen den DHT-Spiegel senken.

Wichtig gleich vorweg: DHT ist kein „böses" Hormon, sondern ein normaler Botenstoff mit wichtigen Aufgaben im Körper. Zum Problem wird es nur an Haarfollikeln, die erblich empfindlich darauf reagieren. Ob eine DHT-senkende Behandlung für dich infrage kommt, klärt eine ärztliche Prüfung. Bei uns geht das ohne lange Wartezeit.

Was ist DHT?

DHT gehört zu den Androgenen, den männlichen Sexualhormonen. Es entsteht nicht direkt, sondern wird im Gewebe aus Testosteron gebildet. Zuständig dafür ist das Enzym 5-Alpha-Reduktase, das Testosteron in das wirksamere DHT umwandelt.1

Am Androgenrezeptor, der Andockstelle in der Zelle, ist DHT deutlich potenter als Testosteron. Es bindet etwa doppelt so fest und löst sich rund fünfmal langsamer wieder ab.1 Dadurch entfaltet es an empfindlichen Geweben eine stärkere und länger anhaltende Wirkung, auch am Haarfollikel.

Die 5-Alpha-Reduktase kommt in zwei Hauptformen vor, die von den DHT-Blockern unterschiedlich stark gehemmt werden. Typ I sitzt vor allem in der Haut, etwa in den Talgdrüsen. Typ II ist in Prostata und Genitaltrakt aktiv, kommt aber auch am Haarfollikel vor, und genau diesen Typ hemmt der Wirkstoff Finasterid vorrangig.1

DHT erfüllt im Körper reguläre Aufgaben:

  • Vor der Geburt: Es steuert die Ausbildung der äußeren männlichen Geschlechtsorgane.
  • In und nach der Pubertät: Es ist an der Körper- und Gesichtsbehaarung sowie der Talgproduktion beteiligt.
  • Im Erwachsenenalter: Es wirkt am Wachstum der Prostata mit.1

Es ganz auszuschalten wäre also weder möglich noch sinnvoll. Beim Haarausfall geht es nur darum, seinen Einfluss auf die Kopfhaut zu dämpfen.

Wie DHT den Haarausfall auslöst

Jedes Kopfhaar durchläuft immer wieder einen Zyklus aus einer langen Wachstumsphase (Anagen), einer kurzen Übergangsphase und einer Ruhephase, an deren Ende das Haar ausfällt und ein neues nachwächst. Bei genetisch empfindlichen Follikeln greift DHT in diesen Rhythmus ein: Über den Androgenrezeptor verkürzt es die Wachstumsphase und stößt die sogenannte Miniaturisierung an.2

Miniaturisierung heißt, dass der Follikel über mehrere Zyklen hinweg immer kleiner wird. Er bildet mit jedem Durchgang ein feineres, kürzeres und schwächer pigmentiertes Haar, bis am Ende kaum noch sichtbares Haar übrig bleibt. In den betroffenen Kopfhautarealen finden sich bei erblich bedingtem Haarausfall mehr 5-Alpha-Reduktase, mehr Androgenrezeptoren und mehr DHT als in unempfindlichen Bereichen.2 Der Prozess läuft langsam über Jahre, was erklärt, warum die Geheimratsecken und der Wirbel oft schleichend lichter werden.

Auffällig ist das typische Muster. Betroffen sind vor allem Stirn, Geheimratsecken und Oberkopf, während der Haarkranz an Hinterkopf und Seiten meist erhalten bleibt. Der Grund ist die unterschiedliche Empfindlichkeit der Follikel und nicht die DHT-Menge an der jeweiligen Stelle. Klinisch zeigt sich, dass die Haarwurzeln am Hinterkopf kaum auf DHT ansprechen und deshalb stabil bleiben; warum das genau so ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Auf dieser Beobachtung beruht auch die Haartransplantation, bei der widerstandsfähige Haare nach vorn verpflanzt werden. Wie sich dieses Muster von anderen Formen des Haarausfalls unterscheidet, ordnet der Artikel Haarausfall verstehen breiter ein.

Mann Ende dreißig sitzt in einer hellen Regionalbahn am Fenster und blickt ruhig nach draußen.

Warum sind manche betroffen und andere nicht?

Ausschlaggebend ist, wie stark die Haarfollikel auf DHT reagieren, nicht wie viel DHT jemand produziert. Zwei Männer mit ähnlichem Hormonspiegel können völlig unterschiedliche Haardichte haben, weil ihre Androgenrezeptoren verschieden stark ansprechen. Diese Veranlagung ist erblich.2

Die Veranlagung wird polygen vererbt, es sind also mehrere Gene beteiligt, und zwar sowohl von der mütterlichen als auch von der väterlichen Seite.2 Das verbreitete Bild, allein der Großvater mütterlicherseits sei entscheidend, greift damit zu kurz. Die Veranlagung kann von beiden Elternteilen kommen, und wie stark sie sich zeigt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Deshalb lässt sich am Familienbild eine Tendenz ablesen, aber keine Garantie in die eine oder andere Richtung.

Was DHT-Blocker sind

DHT-Blocker im medizinischen Sinn sind 5-Alpha-Reduktase-Hemmer. Sie blockieren das Enzym, das Testosteron in DHT umwandelt, und senken so den DHT-Spiegel.3 Weniger DHT bedeutet weniger Druck auf die anfälligen Follikel, wodurch die Miniaturisierung gebremst wird und sich betroffene Haarwurzeln stabilisieren können.

Gebräuchlich sind vor allem zwei Wirkstoffe, die sich beim Zulassungsstatus unterscheiden:

  • Finasterid: Für die Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls beim Mann ist es in Deutschland zugelassen und gut untersucht. Wie es im Detail wirkt und welche Nebenwirkungen möglich sind, liest du im Artikel Finasterid: Wirkung und Nebenwirkungen.
  • Dutasterid: Für den Haarausfall ist es in Deutschland nicht zugelassen und wird deshalb nur off-label eingesetzt, meist dann, wenn Finasterid nicht ausreicht. Es hemmt beide Typen der 5-Alpha-Reduktase und wirkt dadurch stärker. Ob und in welcher Form es infrage kommt, entscheidet immer ein Arzt nach individueller Abwägung; eine Dosierung nennen wir hier bewusst nicht. Was der Off-Label-Status praktisch bedeutet, erklärt der Artikel Von Finasterid auf Dutasterid wechseln.

5-Alpha-Reduktase-Hemmer sind in der Schwangerschaft und für Frauen im gebärfähigen Alter kontraindiziert, weil sie die Genitalentwicklung eines männlichen Fötus stören können. Das klärt die ärztliche Prüfung mit ab.

Alle DHT-Blocker wirken nur, solange du sie einnimmst. Sie verändern nicht die Veranlagung, sondern halten den DHT-Spiegel niedrig. Wird die Einnahme beendet, steigt DHT wieder, und der erblich bedingte Haarausfall setzt sich über die folgenden Monate dort fort, wo er ohne Behandlung stünde.

Was „natürliche DHT-Blocker" wirklich können

Neben den Medikamenten werden verschiedene pflanzliche Mittel als „natürliche DHT-Blocker" beworben. Am häufigsten fällt der Name Sägepalme (Saw Palmetto). Ihr Extrakt wird als teilweiser Hemmer der 5-Alpha-Reduktase diskutiert, wirkt also im Ansatz ähnlich wie die Medikamente, nur schwächer.

Die Studienlage dazu ist begrenzt. Eine systematische Übersichtsarbeit fand Hinweise auf einen möglichen Nutzen, betonte aber ausdrücklich, dass belastbare, hochwertige Daten fehlen und größere Studien nötig sind.4 Sägepalme ist damit kein belegter Ersatz für eine zugelassene medikamentöse Therapie. Für andere frei verkäufliche Ansätze wie koffeinhaltige Shampoos gilt Ähnliches: Die Evidenz für einen echten Effekt auf den erblich bedingten Haarausfall ist schwach.

Ehrlich eingeordnet heißt das: Wer nachweislich wirksam gegen erblich bedingten Haarausfall vorgehen will, kommt an den ärztlich begleiteten Optionen kaum vorbei. Ein Wirkversprechen für pflanzliche Mittel geben wir nicht, und eine Kaufempfehlung schon gar nicht. Wer solche Präparate ausprobieren möchte, sollte das nicht als Ersatz für eine ärztliche Abklärung verstehen.

Wann DHT senken nicht hilft

DHT ist der Motor des erblich bedingten Haarausfalls, aber nicht jeder Haarausfall ist hormonell bedingt. Den DHT-Spiegel zu senken hilft nur beim androgen getriebenen Muster, also der androgenetischen Alopezie. Bei anderen Ursachen läuft ein DHT-Blocker ins Leere.

Das betrifft vor allem den diffusen Haarausfall, bei dem die Haare gleichmäßig über den ganzen Kopf dünner werden. Auslöser sind hier oft Stress, eine Erkrankung, hormonelle Umstellungen oder ein Nährstoffmangel, nicht DHT. Wie stressbedingter Haarausfall entsteht und warum er sich meist von selbst zurückbildet, beschreibt der Artikel Haarausfall durch Stress. Häufig überschneiden sich mehrere Ursachen, was eine der Fragen ist, die eine ärztliche Abklärung klärt.

Ob eine DHT-senkende Therapie zu dir passt

Ob dein Haarausfall überhaupt hormonell bedingt ist und ob eine DHT-senkende Behandlung für dich medizinisch geeignet ist, lässt sich nicht am Spiegel ablesen. Das gehört in ärztliche Hände. Bei uns beantwortest du zunächst einen medizinischen Fragebogen zu deinem Haarausfall und deiner Gesundheit. Unsere Ärztinnen und Ärzte prüfen deine Angaben und entscheiden, ob und welche Behandlung infrage kommt.

Ein Rezept ist dabei nie garantiert, denn am Anfang steht die medizinische Prüfung, nicht das Medikament. Wenn eine Behandlung geeignet ist, koordinieren wir den weiteren Weg und begleiten dich dabei ärztlich. Einen Überblick über die möglichen Wege gibt die Seite Therapien.

Häufige Fragen

Was ist DHT und woher kommt es?

DHT (Dihydrotestosteron) ist ein männliches Sexualhormon, das im Gewebe aus Testosteron gebildet wird. Zuständig dafür ist das Enzym 5-Alpha-Reduktase. Am Androgenrezeptor wirkt DHT stärker als Testosteron. Es erfüllt normale Körperfunktionen, etwa bei der Prostata, der Talgproduktion und der Körperbehaarung.

Wie verursacht DHT Haarausfall?

An erblich empfindlichen Haarfollikeln an Stirn und Oberkopf verkürzt DHT die Wachstumsphase der Haare und lässt die Follikel über mehrere Zyklen schrumpfen. Dieser Vorgang heißt Miniaturisierung. Die Haare werden dabei immer feiner und kürzer, bis sie schließlich ausbleiben.

Warum bleiben die Haare am Hinterkopf erhalten?

Die Follikel am Hinterkopf und an den Seiten reagieren kaum auf DHT und bleiben deshalb stabil, auch wenn Stirn und Oberkopf lichter werden. Ausschlaggebend ist nicht die DHT-Menge an der jeweiligen Stelle, sondern die vererbte Empfindlichkeit der Haarwurzeln. Auf diesem Unterschied beruht auch die Haartransplantation.

Was ist ein DHT-Blocker?

Ein DHT-Blocker im medizinischen Sinn ist ein 5-Alpha-Reduktase-Hemmer. Er blockiert das Enzym, das Testosteron in DHT umwandelt, und senkt so den DHT-Spiegel. Dadurch wird die Miniaturisierung der empfindlichen Follikel gebremst. Die bekanntesten Wirkstoffe sind Finasterid, das in Deutschland für den erblich bedingten Haarausfall beim Mann zugelassen ist, und Dutasterid, das dafür nicht zugelassen ist und nur off-label ärztlich eingesetzt wird. Beide sind verschreibungspflichtig.

Helfen natürliche DHT-Blocker wie Sägepalme?

Sägepalme wird als teilweiser Hemmer der 5-Alpha-Reduktase diskutiert, die wissenschaftliche Studienlage dazu ist aber begrenzt und schwächer als bei den zugelassenen Wirkstoffen. Als belegter Ersatz für eine medikamentöse Therapie gilt sie nicht. Wer eine wirksame Behandlung sucht, sollte das ärztlich klären lassen.

Hilft es bei jedem Haarausfall, DHT zu senken?

Nein. DHT zu senken hilft nur beim erblich bedingten, hormonell getriebenen Haarausfall. Bei diffusem Haarausfall durch Stress, Erkrankungen oder Nährstoffmangel setzt ein DHT-Blocker am falschen Punkt an. Welche Ursache vorliegt, klärt eine ärztliche Untersuchung.

Quellen

  1. 1.Kinter KJ, et al. (2023). Biochemistry, Dihydrotestosterone. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK557634/
  2. 2.Ho CH, et al. (2024). Androgenetic Alopecia. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK430924/
  3. 3.Salisbury BH, et al. (2024). 5-Alpha-Reductase Inhibitors. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK555930/
  4. 4.Evron E, et al. (2020). Natural Hair Supplement: Friend or Foe? Saw Palmetto, a Systematic Review in Alopecia. https://karger.com/sad/article-abstract/6/6/329/295228/Natural-Hair-Supplement-Friend-or-Foe-Saw-Palmetto

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Die dargestellten Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung. Sie sind keine persönliche Therapieempfehlung und kein Angebot eines bestimmten Arzneimittels. Ob eine Behandlung geeignet ist und welche Medikation oder Dosierung infrage kommt, entscheidet ausschließlich der behandelnde Arzt nach Prüfung deiner Angaben. Eine Verordnung ist nicht garantiert. Du kannst ein ärztlich ausgestelltes Rezept bei einer Apotheke deiner Wahl einlösen oder auf Wunsch die Versorgung über unsere Partnerapotheke nutzen.