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Die Ludwig-Skala erklärt: die Grade des erblichen Haarausfalls bei Frauen

Die Ludwig-Skala teilt den erblich bedingten Haarausfall bei Frauen in drei Schweregrade ein. Anders als beim Mann bleibt die vordere Haarlinie meist erhalten, dünner wird das Haar am Scheitel und am Oberkopf. Wie du dich grob einordnest, liest du hier.

Lena Vogt

Geschrieben von: Lena Vogt

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Die Ludwig-Skala erklärt: die Grade des erblichen Haarausfalls bei Frauen

Wenn das Haar am Oberkopf dünner wird, hilft ein gemeinsames Vokabular. Die Ludwig-Skala liefert es: Sie ordnet den erblich bedingten Haarausfall bei Frauen drei Schweregraden zu, von einer leichten Lichtung am Scheitel bis zu einer weithin durchscheinenden Kopfhaut am Oberkopf.1 So beschreiben Ärztinnen, Ärzte und Betroffene denselben Befund einheitlich, und du kannst dich damit grob selbst einordnen.

Zwei Dinge vorweg. Das Muster bei Frauen sieht anders aus als beim Mann: Die vordere Haarlinie bleibt in der Regel erhalten, dünner wird das Haar entlang des Mittelscheitels und am Oberkopf.1 Und die Skala hält fest, wie dein Haar gerade aussieht. Sie sagt nicht voraus, wie weit die Ausdünnung noch geht. Sie ist eine Momentaufnahme, keine Prognose.

Was die Ludwig-Skala ist und wozu sie dient

Der Dermatologe Erich Ludwig beschrieb den weiblichen Haarausfall 1977 und teilte ihn in drei Schweregrade ein.1 Fachlich heißt das Muster androgenetische Alopezie der Frau, also der erblich bedingte Haarausfall. Häufig spricht man auch von female pattern hair loss, dem neutraleren Begriff, weil der Einfluss der Androgene, also der männlichen Hormone, bei Frauen weniger eindeutig ist als beim Mann.

Der Wert der Einteilung liegt in ihrer Kürze. Ein einziger Grad sagt, wie ausgeprägt die Ausdünnung ist, ohne lange Beschreibung. Darauf lässt sich eine ärztliche Einschätzung aufbauen, und bei einer späteren Kontrolle zeigt der Vergleich, ob sich am Bild etwas geändert hat. Dir selbst gibt der Grad vor allem eine Sprache dafür, wo du gerade stehst.

Die Ludwig-Skala ist auf das weibliche Muster zugeschnitten. Für den männlichen Haarausfall mit zurückweichender Stirn und Tonsur gibt es eine eigene Einteilung, die Norwood-Skala. Dazu weiter unten mehr.

Das typische Muster bei Frauen

Beim erblichen Haarausfall der Frau dünnt das Haar flächig am Oberkopf aus, betont entlang des Mittelscheitels. Die vordere Haarlinie an der Stirn bleibt dabei meist stehen.1 Es entstehen also keine Geheimratsecken und keine kahle Tonsur am Hinterkopf, wie man sie vom Mann kennt.

Oft fällt es zuerst am Scheitel auf. Wenn du die Haare teilst, wirkt der Scheitel breiter als früher, und die Kopfhaut schimmert stärker durch. Fachlich beschreibt man das als eine diffuse Ausdünnung der oberen Kopfregion mit einer Verbreiterung des Mittelscheitels.2 Die Haare fallen dabei nicht büschelweise aus, sie werden über die Fläche hinweg feiner und dünner.

Die drei Grade: Ludwig I, II und III

Ludwig hat das Muster nach dem Ausmaß der Ausdünnung in drei Grade gestaffelt, die umgangssprachlich auch Ludwig-Stadien genannt werden. Die Übergänge sind fließend, viele Frauen liegen zwischen zwei Graden.

  • Ludwig I: Eine beginnende, leichte Ausdünnung am Oberkopf. Der Mittelscheitel wird etwas breiter, oft bemerkt man es zuerst beim Scheiteln.1
  • Ludwig II: Die Lichtung am Oberkopf ist deutlich ausgeprägter, das Haar dort merklich dünner und spärlicher als im übrigen Kopfbereich.1
  • Ludwig III: Am Oberkopf ist das Haar so weit ausgedünnt, dass die Kopfhaut großflächig durchscheint. Auch dann bleibt der Haarsaum entlang der vorderen Haarlinie in der Regel erhalten.1 Dieser ausgeprägte Grad tritt seltener auf als Grad I und II.

Sinclair-Skala und Christmas-tree-Muster: weitere Einteilungen

Die Ludwig-Skala ist die gängigste, aber nicht die einzige Einteilung. Die Sinclair-Skala arbeitet mit fünf Stufen und stützt sich stärker auf die Verbreiterung des Scheitels.2 Und die Dermatologin Elise Olsen beschrieb eine Variante, bei der die Ausdünnung vorne am Scheitel betont ist und nach hinten schmaler zuläuft. Weil diese dreieckige Form an einen Tannenbaum erinnert, spricht man vom Christmas-tree-Muster.2

Für die grobe Orientierung reicht die Ludwig-Skala. Welche Einteilung im Einzelfall am besten passt, ist eine Frage für die ärztliche Beurteilung.

Warum bei Männern die Norwood-Skala gilt

Beim Mann verläuft der erbliche Haarausfall anders: Die Stirn weicht über die Geheimratsecken zurück, und am Wirbel bildet sich eine Tonsur. Dieses Muster erfasst die Norwood-Skala mit ihren sieben Stadien. Wie die aufgebaut ist, liest du unter Norwood-Skala.

Beide Skalen haben denselben Zweck und dieselbe Grenze. Sie beschreiben ein Muster, damit alle Beteiligten dasselbe meinen. Keine der beiden sagt voraus, wie weit der Haarausfall am Ende geht oder wie schnell. Das lässt sich am ehesten im Verlauf und in der ärztlichen Einschätzung beurteilen.

Wie ordne ich mich grob selbst ein?

Am einfachsten geht das am Mittelscheitel. Kämme die Haare zu einem geraden Scheitel und vergleiche im Spiegel oder auf einem Foto, wie breit der Scheitel wirkt und wie stark die Kopfhaut durchscheint, gerade vorne am Oberkopf. Ein zweites Foto von schräg oben zeigt die Fläche am Scheitelbereich.

Sei mit dem Ergebnis nachsichtig. Eine Selbsteinordnung schwankt schon mit Lichteinfall, Haarlänge und Frisur, und ein leicht breiterer Scheitel muss nicht viel bedeuten. Die Skala gibt dir eine Richtung, mehr nicht.

Die Ludwig-Skala beschreibt das Muster, sie nennt keine Ursache. Ob hinter der Ausdünnung ein erblich bedingter Haarausfall steckt oder etwas anderes, lässt sich am Bild allein nicht sicher sagen. Diese Frage gehört in die ärztliche Anamnese.

Nicht jede Ausdünnung am Oberkopf ist erblich

Dünner werdendes Haar bei Frauen hat viele mögliche Ursachen, und nicht jede diffuse Ausdünnung ist erblich. Ein telogenes Effluvium, also vermehrter Haarausfall einige Monate nach einem Auslöser, kann ähnlich aussehen. Auch ein Eisenmangel, eine Schilddrüsenstörung, hormonelle Umstellungen oder anhaltender Stress können das Haar ausdünnen.

Diese Ursachen lassen sich nicht am Muster ablesen, dafür braucht es Anamnese und oft ein paar Laborwerte. Welche Auslöser bei Frauen infrage kommen, ordnet der Artikel Haarausfall bei Frauen ein, und welche Rolle Belastung spielt, liest du unter Haarausfall durch Stress. Der Unterschied ist wichtig, weil ein telogenes Effluvium sich oft von selbst zurückbildet, während der erbliche Haarausfall in der Regel eine dauerhafte Behandlung braucht.

Was die Einordnung für die Behandlung bedeutet

Der Grad ist ein Anhaltspunkt, keine Behandlungsanweisung. Für die Behandlung zählt vor allem, wie viel eigenes Haar am Oberkopf noch aktiv ist. Je früher man ansetzt und je leichter die Ausdünnung, desto mehr lässt sich erhalten. Solange die Haarwurzeln noch feines Haar bilden, kann eine Behandlung den Verlust bremsen und geschwächtes Haar stabilisieren.

An Stellen, die über Jahre vollständig kahl geblieben sind, sieht es anders aus. Dort sind die Haarwurzeln zurückgebildet, und eine Behandlung bringt kein neues Haar mehr hervor. Beim weiblichen Muster bleibt das Haar am Oberkopf allerdings meist bis zu einem gewissen Grad erhalten, eine völlig kahle Krone ist selten.2

Ob und was für dich sinnvoll und medizinisch geeignet ist, hängt vom Gesamtbild ab: vom Muster, vom Verlauf, von deinem Alter und deiner Gesundheit. Das stellt die ärztliche Prüfung fest, nicht die Skala allein. Viele Frauen empfinden dünner werdendes Haar als stark belastend, und eine frühe Einordnung nimmt zumindest die Unsicherheit, was gerade passiert.

So läuft es bei uns: Du beantwortest zunächst einen medizinischen Fragebogen zu deinem Haarausfall und deiner Gesundheit. Unsere Ärztinnen und Ärzte prüfen deine Angaben und entscheiden, ob und welche Behandlung infrage kommt. Ein Rezept ist dabei nie garantiert, und am Anfang steht die ärztliche Einschätzung, nicht das Medikament. Wie die Anamnese abläuft, beschreibt der Artikel So funktioniert die Anamnese. Welche Wege es grundsätzlich gibt, findest du auf der Seite Therapien.

Häufige Fragen

Was ist die Ludwig-Skala?

Die Ludwig-Skala ist die gängige Einteilung des erblich bedingten Haarausfalls bei Frauen in drei Schweregrade. Sie beschreibt, wie stark das Haar am Oberkopf und entlang des Mittelscheitels ausgedünnt ist, von einer leichten Lichtung bei Grad I bis zu einer großflächig durchscheinenden Kopfhaut bei Grad III. Die vordere Haarlinie bleibt beim weiblichen Muster meist erhalten.

Was bedeuten Ludwig I, II und III?

Ludwig I steht für eine beginnende, leichte Ausdünnung am Oberkopf mit etwas breiterem Scheitel. Bei Ludwig II ist die Lichtung deutlich ausgeprägter und das Haar dort spürbar dünner. Bei Ludwig III scheint die Kopfhaut am Oberkopf großflächig durch. Die Übergänge sind fließend, viele Frauen liegen zwischen zwei Graden.

Wie unterscheidet sich der Haarausfall bei Frauen vom Mann?

Beim Mann weicht die Stirn über Geheimratsecken zurück, und am Wirbel bildet sich eine Tonsur. Bei Frauen bleibt die vordere Haarlinie in der Regel erhalten, während das Haar am Scheitel und Oberkopf flächig dünner wird. Deshalb gibt es zwei Skalen: die Ludwig-Skala für Frauen und die Norwood-Skala für Männer.

Welches Ludwig-Stadium habe ich?

Zum groben Einordnen hilft ein ehrlicher Blick auf den Mittelscheitel: Wie breit wirkt er, und wie stark scheint die Kopfhaut am Oberkopf durch? Ein Foto von schräg oben zeigt die Fläche am Scheitel. Diese Selbsteinordnung bleibt ungenau. Eine sichere Einteilung und die Frage, ob überhaupt ein erblicher Haarausfall vorliegt, gehören in die ärztliche Beurteilung.

Sagt die Ludwig-Skala voraus, wie stark der Haarausfall wird?

Nein. Die Skala erfasst dein Muster zum jetzigen Zeitpunkt, sie ist keine Prognose. Ein niedriger Grad bedeutet nicht, dass es dabei bleibt, und ein höherer nicht, dass es zwangsläufig weiter fortschreitet. Wie ein Verlauf sich entwickelt, ist individuell und lässt sich am besten ärztlich einschätzen.

Ist dünner werdendes Haar bei Frauen immer erblich?

Nein. Ein telogenes Effluvium, ein Eisenmangel, eine Schilddrüsenstörung, hormonelle Umstellungen oder anhaltender Stress können das Haar ebenfalls ausdünnen. Am Muster allein lässt sich die Ursache nicht sicher ablesen. Deshalb gehören Anamnese und oft ein paar Laborwerte dazu, bevor man von einem erblich bedingten Haarausfall spricht.

Quellen

  1. 1.Singal A, et al. (2013). Female pattern hair loss. https://ijdvl.com/female-pattern-hair-loss/
  2. 2.Fabbrocini G, et al. (2018). Female pattern hair loss: A clinical, pathophysiologic, and therapeutic review. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6322157/

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Die dargestellten Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung. Sie sind keine persönliche Therapieempfehlung und kein Angebot eines bestimmten Arzneimittels. Ob eine Behandlung geeignet ist und welche Medikation oder Dosierung infrage kommt, entscheidet ausschließlich der behandelnde Arzt nach Prüfung deiner Angaben. Eine Verordnung ist nicht garantiert. Du kannst ein ärztlich ausgestelltes Rezept bei einer Apotheke deiner Wahl einlösen oder auf Wunsch die Versorgung über unsere Partnerapotheke nutzen.