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Finasterid, Dutasterid und Kinderwunsch: Was gilt, wenn die Partnerin schwanger ist?

Für Frauen mit Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft sind 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid und Dutasterid grundsätzlich ausgeschlossen. Für den behandelten Mann ist die Lage differenzierter und hängt vom Präparat und der Darreichungsform ab. Was das für dich bedeutet, liest du hier.

Dr. Christian Drerup

Geschrieben von: Dr. Christian Drerup

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Finasterid, Dutasterid und Kinderwunsch: Was gilt, wenn die Partnerin schwanger ist?

Wenn deine Partnerin schwanger ist oder werden möchte und du gegen erblich bedingten Haarausfall einen DHT-Blocker nimmst, entscheidet vor allem eine Frage über das Vorgehen: Wer nimmt das Mittel?

Die eindeutige Seite zuerst. Eine Frau, die schwanger ist oder werden könnte, darf 5-Alpha-Reduktase-Hemmer wie Finasterid und Dutasterid nicht einnehmen. Das gilt ohne Ausnahme. Für dich als behandelten Mann ist die Lage differenzierter, und sie hängt davon ab, welches Präparat du nimmst und in welcher Form. In den meisten Fällen ist sie weniger dramatisch, als viele befürchten. Absetzen oder wechseln solltest du trotzdem nichts im Alleingang, sondern immer mit deinem Arzt. Warum die Mittel überhaupt eine Rolle spielen, was für Tablette und Spray gilt und wie ihr gemeinsam entscheidet, liest du hier.

Warum bei DHT-Blockern in der Schwangerschaft überhaupt Vorsicht gilt

Finasterid und Dutasterid senken den Spiegel des Hormons Dihydrotestosteron (DHT). Genau das ist bei erblich bedingtem Haarausfall erwünscht, weil DHT die empfindlichen Haarfollikel schrumpfen lässt. Wie dieser Zusammenhang funktioniert, erklärt der Artikel DHT und Haarausfall.

DHT hat aber noch eine andere Aufgabe: Es ist im Mutterleib für die normale Entwicklung der äußeren Geschlechtsorgane eines männlichen Fötus nötig. Wird der DHT-Spiegel im falschen Moment gesenkt, kann diese Entwicklung gestört werden, etwa in Form einer Fehlbildung der Harnröhre.1 Betroffen sind ausschließlich männliche Feten, weibliche nicht. Am größten ist das Risiko in den ersten 16 Schwangerschaftswochen, wenn sich die Genitalien anlegen.2 Das ist der Kern der ganzen Vorsichtsdiskussion, und deshalb lohnt es sich, die einzelnen Situationen sauber auseinanderzuhalten.

Wenn die Frau selbst behandelt wird: ein klares Nein

Für Frauen, die schwanger sind oder schwanger werden könnten, sind alle 5-Alpha-Reduktase-Hemmer kontraindiziert. Das betrifft Finasterid und Dutasterid, als Tablette und als Spray. Der Grund ist genau die eben beschriebene Störung der Genitalentwicklung eines männlichen Fötus.1 Deshalb werden diese Wirkstoffe bei Frauen im gebärfähigen Alter grundsätzlich nicht gegen Haarausfall eingesetzt.

Das ist keine Frage der Menge oder des Zeitpunkts, sondern eine absolute Gegenanzeige. Eine Frau mit Kinderwunsch nimmt diese Mittel nicht, auch nicht kurzzeitig oder in niedriger Dosis.

Wenn du Finasterid als Tablette nimmst

Finasterid-Tablette: kaum Übergang in die Samenflüssigkeit, meist kein Absetzen nötig. Finasterid geht nur in sehr geringer Menge in die Samenflüssigkeit über. Unter der üblichen 1-mg-Dosis war es in rund 60 Prozent der untersuchten Proben gar nicht nachweisbar, und der höchste überhaupt gemessene Wert war winzig. Selbst dieser Höchstwert liegt mit einem sehr großen Sicherheitsabstand unter der Menge, die bei der Partnerin einen Hormoneffekt hätte. Zur Dosis, die sich im Tierversuch überhaupt auf einen Fötus ausgewirkt hat, ist der Abstand noch einmal um ein Vielfaches größer.3 Aus diesem Grund verlangt die Fachinformation kein Absetzen, um einen männlichen Fötus zu schützen. Auch die Beratungsstelle MotherToBaby kommt zu dem Schluss, dass die Einnahme durch den Vater das Fehlbildungsrisiko voraussichtlich nicht erhöht.4

In der Praxis heißt das: Ein Mann kann unter Finasterid-Tabletten in aller Regel ein Kind zeugen und die Einnahme auch während der Schwangerschaft fortführen. Ob das für deine Situation gilt, entscheidet dein Arzt. Manche empfehlen bei einer bestehenden Schwangerschaft vorsorglich ein Kondom. Nach der Datenlage nötig ist das nicht, aber es schadet auch nicht, wenn es dir ein sichereres Gefühl gibt. Welche Nebenwirkungen Finasterid sonst haben kann, liest du im Artikel Finasterid und seine Nebenwirkungen.

Wenn du Dutasterid nimmst

Dutasterid: potenter und langlebiger, deshalb strengere Vorsichtsregeln. Dutasterid gehört zur selben Wirkstoffgruppe und geht ebenfalls nur in geringer, zudem stark an Eiweiß gebundener Menge in die Samenflüssigkeit über. Auch hier liegt die rechnerische Belastung der Partnerin deutlich unter kritischen Werten.5 Reguliert wird Dutasterid trotzdem bewusst vorsichtiger, und dafür gibt es zwei Gründe.

Erstens wirkt es stärker. Es hemmt beide Typen der 5-Alpha-Reduktase und senkt den DHT-Spiegel umfassender als Finasterid. Zweitens bleibt es sehr lange im Körper: Seine Halbwertszeit liegt bei mehreren Wochen, und der Wirkstoff ist noch Monate nach der letzten Einnahme im Blut nachweisbar. Aus dieser stärkeren und langlebigeren Wirkung folgt eine konkrete Vorsichtsmaßnahme. Die europäische Fachinformation empfiehlt ausdrücklich, während einer Schwangerschaft oder bei einer möglichen Schwangerschaft der Partnerin ein Kondom zu verwenden.2 Die US-amerikanische Fachinformation enthält diese Empfehlung nicht, wir folgen hier der vorsichtigeren europäischen Linie. Aus der langen Verweildauer folgt außerdem, dass Männer unter Dutasterid bis sechs Monate nach der letzten Dosis kein Blut spenden sollten.2

In Deutschland ist Dutasterid gegen erblich bedingten Haarausfall nicht zugelassen. Es wird dabei nur off-label eingesetzt, also außerhalb seines amtlichen Anwendungsgebiets. Ob es für dich überhaupt infrage kommt, ist deshalb allein eine ärztliche Entscheidung. Wann ein Umstieg von Finasterid erwogen wird, behandelt der Artikel Von Finasterid auf Dutasterid wechseln.

Was gilt beim Finasterid-Spray?

Finasterid-Spray: weniger Wirkstoff im Körper, aber eine ehrliche Datenlücke. Beim Spray gelangt deutlich weniger Wirkstoff in den Körper als bei der Tablette. Der DHT-Spiegel im Blut sinkt zwar messbar, aber schwächer als unter der oralen Einnahme.6 Das lässt vermuten, dass auch in die Samenflüssigkeit weniger übergeht, gemessen ist das aber nicht.

Für topisches Finasterid gibt es hier eine Datenlücke: Es liegen keine veröffentlichten Messungen des Wirkstoffs in der Samenflüssigkeit vor. Das Risiko über diesen Weg lässt sich deshalb nicht so genau beziffern wie bei der Tablette. Rechnerisch dürfte es unter dem ohnehin sehr niedrigen Wert der Tablette liegen, sicher belegt ist das aber nicht.

Im Vordergrund steht beim Spray ein anderer Punkt, nämlich der direkte Kontaktschutz deiner Partnerin. Eine schwangere Partnerin oder eine Frau mit Kinderwunsch sollte nicht mit dem Spray selbst, mit der frisch behandelten Kopfhaut oder mit besprühten Flächen in Kontakt kommen. Lass das Mittel nach dem Auftragen antrocknen und wasch dir die Hände, bevor es zu engem Kontakt kommt.

Paar Mitte dreißig sitzt auf einer Parkbank und unterhält sich in ruhiger, warmer Stimmung.

Was deine Partnerin im Umgang mit Tabletten und Spray beachten sollte

Unabhängig davon, wie viel Wirkstoff über die Samenflüssigkeit übergeht, gibt es einen Weg, der sich einfach vermeiden lässt: die direkte Aufnahme über die Haut. Dafür reichen ein paar Regeln.

  • Finasterid-Filmtabletten: Intakte Tabletten sind unbedenklich anzufassen. Zerbrochene oder zerdrückte Tabletten sollten Schwangere oder Frauen mit Kinderwunsch dagegen nicht anfassen, weil der Wirkstoff dann über die Haut aufgenommen werden kann.3
  • Dutasterid-Weichkapseln: Hier ist die Regel strenger. Schwangere oder möglicherweise schwangere Frauen sollten die Kapseln gar nicht anfassen. Kommt es doch zum Kontakt mit einer undichten Kapsel, sollte die betroffene Stelle mit Wasser und Seife gewaschen werden.5
  • Spray und behandelte Kopfhaut: Kontakt mit dem Produkt, der frisch besprühten Kopfhaut und besprühten Oberflächen meiden, bis alles getrocknet und die Hände gewaschen sind.

Das sind einfache Alltagsvorkehrungen, keine Ausnahmezustände. Sie gelten nur für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch.

Kann Finasterid die Zeugung erschweren?

Manchmal steht nicht die Schwangerschaft im Raum, sondern der Kinderwunsch klappt noch nicht. Dann stellt sich die Frage, ob das Mittel selbst die Fruchtbarkeit beeinflusst.

Bei Finasterid in der 1-mg-Dosis ist ein bedeutsamer Effekt auf Zahl, Beweglichkeit oder Form der Spermien nicht belegt. Das Ejakulatvolumen kann etwas abnehmen. Es gibt einzelne Berichte über eine verschlechterte Samenqualität, die sich nach dem Absetzen wieder besserte.7 Dutasterid greift stärker ein: Es senkt im Mittel die Gesamtzahl der Spermien, das Ejakulatvolumen und die Beweglichkeit. Diese Werte blieben in Studien meist im Normbereich. Vor allem die Gesamtspermienzahl hatte sich nach etwa einem halben Jahr Nachbeobachtung noch nicht vollständig erholt; die Effekte gelten als teilweise reversibel.5

Wenn ihr euch ein Kind wünscht und es nicht klappt, kann eine Pause des Mittels ein sinnvoller Schritt sein. Ob, wann und für wie lange, entscheidet der Arzt gemeinsam mit euch. Setz ein DHT-blockierendes Mittel dafür nicht ohne ärztliche Rücksprache ab.

Wie ihr das gemeinsam mit dem Arzt entscheidet

Fassen wir die Situationen zusammen, weil sich daraus ein grober Rahmen ergibt, den der Arzt für deinen Fall bestätigt oder anpasst:

  • Finasterid als Tablette: nach der Datenlage meist fortführbar, Kondom optional als zusätzliche Vorsicht.
  • Dutasterid: vorsichtiger zu handhaben, mit Kondom-Empfehlung in Europa und langem Vorlauf beim Absetzen wegen der langen Verweildauer.
  • Spray: wenig systemisch, aber achte auf den direkten Kontaktschutz deiner Partnerin.

In jedem Fall gilt: Das ist eine individuelle ärztliche Entscheidung, die von Präparat, Darreichungsform, Schwangerschaftsstatus und eurer Kinderwunsch-Situation abhängt.

Bei uns beantwortest du dafür online eine medizinische Anamnese, unsere Ärztinnen und Ärzte prüfen deine Angaben, und wenn eine medikamentöse Therapie für dich geeignet ist, besprechen sie mit dir den passenden Weg. Ein Kinderwunsch oder eine Schwangerschaft deiner Partnerin gehört ausdrücklich in dieses Gespräch, damit die Wahl des Mittels dazu passt. Ein Rezept ist dabei nie garantiert, und die Abgabe übernimmt auf Wunsch eine deutsche Partnerapotheke, während dir die freie Apothekenwahl bleibt. Wie der Ablauf konkret aussieht, erfährst du unter Therapie starten.

Häufige Fragen

Kann ich Finasterid weiter nehmen, wenn meine Partnerin schwanger ist?

In den meisten Fällen ja. Finasterid geht nur in sehr geringer Menge in die Samenflüssigkeit über, mit einem großen Sicherheitsabstand zu einer Menge, die sich auf einen Fötus auswirken könnte. Die Fachinformation verlangt deshalb kein Absetzen zum Schutz eines männlichen Fötus. Die endgültige Entscheidung für deine Situation trifft aber dein Arzt.

Muss ich ein Kondom tragen, wenn ich unter Finasterid ein Kind zeugen will?

Nach der Datenlage ist das bei Finasterid nicht erforderlich. Die Menge in der Samenflüssigkeit ist sehr gering. Manche Männer nutzen bei einer bestehenden Schwangerschaft trotzdem vorsorglich ein Kondom, weil es ihnen ein sichereres Gefühl gibt. Bei Dutasterid ist die Empfehlung strenger. Für deine konkrete Situation besprichst du das aber mit deinem Arzt.

Ist Dutasterid bei Kinderwunsch riskanter als Finasterid?

Es wird vorsichtiger gehandhabt. Die europäische Fachinformation empfiehlt bei schwangerer oder möglicherweise schwangerer Partnerin ein Kondom, und der Wirkstoff bleibt wegen seiner langen Halbwertszeit über Wochen bis Monate im Körper. Ein Absetzen braucht deshalb einen längeren Vorlauf. In Deutschland wird Dutasterid gegen Haarausfall zudem nur off-label eingesetzt. Die Abwägung gehört in ärztliche Hände.

Darf meine schwangere Partnerin meine Finasterid-Tabletten anfassen?

Intakte Filmtabletten sind unbedenklich. Zerbrochene oder zerdrückte Tabletten sollte sie dagegen nicht anfassen, weil der Wirkstoff dann über die Haut aufgenommen werden kann. Dutasterid-Weichkapseln sollte sie in der Schwangerschaft oder bei Kinderwunsch gar nicht anfassen.

Macht Finasterid unfruchtbar?

In der Regel nicht. Bei der 1-mg-Dosis ist kein bedeutsamer Effekt auf Zahl, Beweglichkeit oder Form der Spermien belegt, das Ejakulatvolumen kann leicht abnehmen. Einzelne berichtete Verschlechterungen der Samenqualität bildeten sich nach dem Absetzen zurück. Wenn ein Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht, kann eine ärztlich begleitete Pause sinnvoll sein.

Was gilt bei einem Finasterid-Spray, wenn meine Partnerin schwanger ist?

Über das Spray gelangt weniger Wirkstoff in den Körper als über die Tablette. Zur Menge in der Samenflüssigkeit gibt es bei topischer Anwendung allerdings keine veröffentlichten Messungen, das lässt sich also nicht genau beziffern. Wichtiger ist hier der direkte Kontaktschutz: Deine Partnerin sollte nicht mit dem Spray, der frisch behandelten Kopfhaut oder besprühten Flächen in Kontakt kommen.

Quellen

  1. 1.Teichert M, et al. (2016). Contraindicated use of 5-alpha-reductase inhibitors in women. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5237684/
  2. 2.electronic medicines compendium (o. J.). Dutasterid 0,5 mg Weichkapseln: Fachinformation (SmPC). https://www.medicines.org.uk/emc/product/6758/smpc
  3. 3.U.S. Food and Drug Administration (o. J.). Finasterid 1 mg: Verschreibungsinformation (DailyMed). https://dailymed.nlm.nih.gov/dailymed/drugInfo.cfm?setid=6f904709-65aa-44ce-b144-b4c8a0416e36
  4. 4.MotherToBaby (2024). Finasterid. https://mothertobaby.org/fact-sheets/finasteride/
  5. 5.U.S. Food and Drug Administration (o. J.). Dutasterid 0,5 mg: Verschreibungsinformation (DailyMed). https://dailymed.nlm.nih.gov/dailymed/drugInfo.cfm?setid=960797b3-09b1-4d6a-8ece-8b5d918e93e4
  6. 6.Piraccini BM, et al. (2022). Efficacy and safety of topical finasteride spray solution for male androgenetic alopecia: a phase III, randomized, controlled clinical trial. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34634163/
  7. 7.Laborde E, Brannigan RE (2010). Effect of 1-mg dose of finasteride on spermatogenesis and pregnancy. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19834128/

Unsicher, welches Mittel bei Kinderwunsch zu dir passt?

Beantworte ein paar Fragen zu deiner Situation, und unsere Ärztinnen und Ärzte prüfen, ob und welche medikamentöse Therapie für dich geeignet ist. Kinderwunsch und Schwangerschaft der Partnerin gehören dabei ins Gespräch.

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