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Finasterid: Wirkung, Nutzen und Nebenwirkungen

Finasterid senkt den Spiegel des Hormons DHT, das bei erblicher Veranlagung die Haarfollikel schrumpfen lässt. Für Männer mit erblich bedingtem Haarausfall ist es in Deutschland zugelassen. Wie es wirkt, wie gut das belegt ist und welche Nebenwirkungen möglich sind, liest du hier.

Dr. Christian Drerup

Geschrieben von: Dr. Christian Drerup

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Finasterid: Wirkung, Nutzen und Nebenwirkungen

Finasterid ist eine verschreibungspflichtige Tablette gegen erblich bedingten Haarausfall. Es wirkt, indem es die Umwandlung von Testosteron in das Hormon Dihydrotestosteron (DHT) hemmt. DHT lässt bei entsprechender Veranlagung die Haarfollikel nach und nach schrumpfen, und genau diesen Prozess bremst Finasterid. Der Nutzen liegt vor allem im Erhalt: Der weitere Verlust wird gestoppt oder verlangsamt, bei einem Teil der Männer bessert sich die Dichte auch wieder.

Ob Finasterid für dich geeignet ist, hängt von deinem Befund, deiner Gesundheit und möglichen Gegenanzeigen ab. Diese Abwägung trifft ein Arzt. Bei uns kannst du das ärztlich und ohne lange Wartezeit klären lassen.

Was ist Finasterid?

Finasterid ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der 5-Alpha-Reduktase-Hemmer. Gegen erblich bedingten Haarausfall wird er als Tablette in einer Dosierung von 1 mg täglich eingenommen.1 Der Wirkstoff ist verschreibungspflichtig, du bekommst ihn also nur mit einem ärztlichen Rezept.

Wichtig für die Einordnung: Für die Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls beim Mann ist Finasterid in Deutschland zugelassen. Es wird also innerhalb seiner amtlichen Zulassung eingesetzt, nicht off-label. Das unterscheidet Finasterid von manch anderer Option. Orales Minoxidil zum Beispiel kommt bei Haarausfall nur off-label infrage, also außerhalb der offiziellen Zulassung. Wie das gemeint ist und wann es eine Rolle spielt, liest du im Artikel Orales Minoxidil.

Wie wirkt Finasterid?

Der erblich bedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie) hängt eng mit dem Hormon DHT zusammen. DHT entsteht im Körper aus Testosteron, und zwar mithilfe des Enzyms 5-Alpha-Reduktase. Bei Männern mit entsprechender Veranlagung reagieren die Haarfollikel an Stirn und Oberkopf empfindlich auf DHT: Sie durchlaufen mit der Zeit immer kürzere Wachstumsphasen und bilden immer feinere, kürzere Haare. Dieser Vorgang heißt Miniaturisierung. Am Ende produziert der Follikel kaum noch sichtbares Haar.

Finasterid blockiert das Enzym 5-Alpha-Reduktase und drosselt damit die Produktion von DHT. Bei der 1-mg-Dosis sinkt der DHT-Spiegel im Blut um rund 70 %.1 Weniger DHT bedeutet weniger Druck auf die empfindlichen Follikel. Die Miniaturisierung wird gebremst, und die betroffenen Haarwurzeln bekommen die Chance, sich zu stabilisieren, statt weiter zu schrumpfen.

Zwei Dinge sind dabei wichtig zu verstehen. Erstens wirkt Finasterid nur, solange du es einnimmst. Es verändert nicht die Veranlagung selbst, sondern hält den DHT-Spiegel niedrig, so lange der Wirkstoff im Körper ist. Zweitens greift Finasterid am Hormonhaushalt an. Genau deshalb ist es verschreibungspflichtig und gehört in ärztliche Begleitung. Wie DHT und Veranlagung beim Haarausfall zusammenspielen, ordnet der Artikel Haarausfall verstehen breiter ein. Details zum Wirkstoff selbst findest du auf der Seite Finasterid.

Mann Ende dreißig sitzt entspannt in einem Sessel am Fenster und liest ein Buch, weiches Nachmittagslicht.

Was Finasterid bewirkt und was belegt ist

Die Wirksamkeit von Finasterid ist gut untersucht. In kontrollierten Studien besserte sich der Haarwuchs am Oberkopf nach 2 Jahren bei rund 2 von 3 Männern (66 %), während sich der Haarverlust unter Placebo in der Regel fortsetzte.2 Über längere Zeiträume kam weiterer sichtbarer Haarverlust unter Finasterid zudem deutlich seltener vor als unter Placebo.3 Das sind Durchschnittswerte aus kontrollierten Studien. Wie stark der Effekt bei dir ausfällt, ist individuell verschieden.

Der Schwerpunkt liegt auf dem Erhalt. Finasterid stoppt oder verlangsamt vor allem das weitere Ausdünnen, bei einem Teil der Männer verbessert sich die Dichte im behandelten Bereich auch wieder. Was Finasterid nicht kann: vollständig inaktive Haarfollikel wiederbeleben. Sind Follikel bereits verkümmert und produzieren kein Haar mehr, holt sie auch der Wirkstoff nicht zurück. Deshalb wirkt eine Behandlung umso besser, je früher sie beginnt, solange noch Haare zu erhalten sind.

Geduld gehört dazu. Erste sichtbare Veränderungen zeigen sich meist nach 3 bis 6 Monaten regelmäßiger Einnahme, eine verlässliche Beurteilung braucht in der Regel 6 bis 12 Monate. In den ersten Wochen tut sich äußerlich oft wenig, obwohl der Wirkstoff im Hintergrund bereits arbeitet. Wer nach 4 Wochen keine Wirkung sieht und absetzt, bricht die Behandlung ab, bevor sich überhaupt beurteilen lässt, ob sie anschlägt.

Finasterid arbeitet langsam und dauerhaft. Es ist keine Kur mit Endpunkt, sondern eine Behandlung auf Zeit, deren Wirkung an die regelmäßige Einnahme gebunden ist. Setzt du es ab, steigt der DHT-Spiegel wieder, und der erreichte Effekt lässt über einige Monate nach. Der Haarausfall setzt sich dann in der Regel dort fort, wo er ohne Behandlung stünde. Ein geplantes Absetzen besprichst du am besten mit dem behandelnden Arzt.

Welche Nebenwirkungen möglich sind

Wie jedes wirksame Medikament kann Finasterid Nebenwirkungen haben. Weil es in den Hormonstoffwechsel eingreift, betreffen die relevanten Nebenwirkungen bei einem kleinen Teil der Anwender die Sexualfunktion. Möglich sind eine verminderte Libido, Erektionsstörungen oder Störungen beim Samenerguss. Erektionsstörungen betrafen bei der 1-mg-Dosis etwa 1 bis 2 von 100 Männern.1 Bei den meisten Betroffenen bilden sich diese Beschwerden zurück, wenn das Medikament abgesetzt wird, teils auch schon während der weiteren Einnahme.

Seltener werden Stimmungsveränderungen wie Niedergeschlagenheit berichtet. Über anhaltende Beschwerden, die auch nach dem Absetzen fortbestehen, wird vereinzelt berichtet. Wie häufig das ist und wie es damit zusammenhängt, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt, die Studienlage dazu ist begrenzt. Wir nennen das offen, damit du es in deine Entscheidung einbeziehen kannst.

Ein weiterer Punkt betrifft nicht das Wohlbefinden, sondern eine Laboruntersuchung: Finasterid senkt den PSA-Wert im Blut. Dieser Wert wird in der urologischen Krebsvorsorge herangezogen. Wenn du eine solche Untersuchung planst, solltest du den Arzt über die Einnahme informieren, damit er den Messwert richtig einordnen kann.

Diese Abwägung zwischen Nutzen und möglichen Nebenwirkungen ist der Grund, warum Finasterid nicht frei verkäuflich ist. Ein Arzt prüft vor der Verordnung, ob der Wirkstoff für dich sinnvoll und sicher ist, und bleibt bei der Behandlung Ansprechpartner. Treten Beschwerden auf, melde sie früh, statt sie auszusitzen. Dazu zählt auch ein selten mögliches Spannen oder eine Vergrößerung der Brust, die du ärztlich abklären lassen solltest.

Für wen Finasterid infrage kommt

Verordnet wird Finasterid gegen Haarausfall vor allem Männern mit androgenetischer Alopezie, deren Haarausfall dem typischen Muster folgt: langsam fortschreitend, an Geheimratsecken und Oberkopf. Ob es für dich medizinisch geeignet ist, entscheidet ein Arzt nach Prüfung deiner Gesundheitsangaben. Ein Rezept ist dabei nie garantiert.

Für Frauen, die schwanger sind oder schwanger werden könnten, ist Finasterid kontraindiziert. Der Wirkstoff kann die Genitalentwicklung eines männlichen Fötus stören. Betroffene dürfen ihn nicht einnehmen und sollten auch den Hautkontakt mit zerbrochenen oder zerriebenen Tabletten meiden, weil der Wirkstoff über die Haut aufgenommen werden kann. Intakte, überzogene Tabletten sind bei bloßem Anfassen dagegen unbedenklich. Wegen dieses Wirkprinzips wird Finasterid in erster Linie Männern verordnet. Welche Ursachen und Behandlungen bei Frauen mit Haarausfall eine Rolle spielen, behandelt der Artikel Haarausfall bei Frauen. Auch bei bestimmten Lebererkrankungen oder bekannter Unverträglichkeit ist Vorsicht geboten. Deshalb steht am Anfang immer die ärztliche Prüfung, nicht sofort das Rezept.

Finasterid ist eine von mehreren Optionen

Finasterid ist gut untersucht, aber nicht der einzige Weg bei erblich bedingtem Haarausfall. Häufig eingesetzt wird auch topisches Minoxidil, das äußerlich auf die Kopfhaut aufgetragen wird und lokal wirkt. Weil Finasterid am Hormon ansetzt und Minoxidil direkt am Follikel, greifen die beiden Wirkstoffe an unterschiedlichen Punkten an und werden teils auch kombiniert. Welcher Weg passt, hängt von Befund, Vorerkrankungen und deinen Präferenzen ab und ist eine ärztliche Entscheidung. Ein allgemeiner Vergleich der Optionen ersetzt deshalb nicht die individuelle Beurteilung.

Wenn du wissen willst, ob Finasterid oder eine andere Behandlung für dich infrage kommt, brauchst du kein fertiges Ergebnis mitzubringen. Bei uns beantwortest du zunächst einen medizinischen Fragebogen zu deinem Haarausfall und deiner Gesundheit. Unsere Ärztinnen und Ärzte prüfen deine Angaben und entscheiden, ob eine Behandlung medizinisch geeignet ist, und welche. Wie diese Abklärung abläuft, liest du im Artikel So funktioniert die Anamnese. Was beim Rezept in Deutschland gilt, erklärt der Artikel wie du in Deutschland ein Finasterid-Rezept bekommst.

Häufige Fragen

Wie wirkt Finasterid gegen Haarausfall?

Finasterid hemmt das Enzym 5-Alpha-Reduktase und senkt dadurch den Spiegel des Hormons DHT. DHT lässt bei erblicher Veranlagung die Haarfollikel schrumpfen. Sinkt der DHT-Spiegel, wird dieser Prozess gebremst, und die betroffenen Haarwurzeln können sich stabilisieren. Der Wirkstoff verändert dabei nicht die Veranlagung selbst.

Wie lange dauert es, bis Finasterid wirkt?

Erste sichtbare Veränderungen zeigen sich meist nach 3 bis 6 Monaten regelmäßiger Einnahme. Eine verlässliche Beurteilung braucht in der Regel 6 bis 12 Monate. In den ersten Wochen tut sich äußerlich oft wenig, obwohl der Wirkstoff bereits arbeitet.

Wie wirksam ist Finasterid?

In kontrollierten Studien besserte sich der Haarwuchs am Oberkopf nach 2 Jahren bei rund 2 von 3 Männern, deutlich häufiger als in der Placebogruppe. Der Schwerpunkt liegt auf dem Erhalt: Finasterid bremst vor allem das weitere Ausdünnen. Wie stark der Effekt ausfällt, ist individuell verschieden.

Kann man mit Finasterid neue Haare bekommen?

Finasterid stoppt oder verlangsamt vor allem den weiteren Verlust, bei einem Teil der Männer verbessert sich die Dichte im behandelten Bereich wieder. Vollständig inaktive Follikel, die kein Haar mehr bilden, lassen sich medikamentös aber nicht wiederbeleben. Deshalb wirkt eine Behandlung umso besser, je früher sie beginnt.

Welche Nebenwirkungen hat Finasterid?

Bei einem kleinen Teil der Anwender sind sexuelle Funktionsstörungen möglich, etwa eine verminderte Libido oder Erektionsstörungen. Seltener werden Stimmungsveränderungen oder ein Spannen oder eine Vergrößerung der Brust berichtet. Außerdem senkt Finasterid den PSA-Wert im Blut, was bei der urologischen Vorsorge zu beachten ist. Beschwerden solltest du früh ärztlich melden.

Sind die Nebenwirkungen von Finasterid reversibel?

Bei den meisten Betroffenen bilden sich die Beschwerden nach dem Absetzen zurück, teils schon während der weiteren Einnahme. Über vereinzelte Fälle mit anhaltenden Beschwerden nach dem Absetzen wird berichtet, die Studienlage dazu ist begrenzt.

Was passiert, wenn ich Finasterid absetze?

Finasterid wirkt nur während der Einnahme. Nach dem Absetzen steigt der DHT-Spiegel wieder, und der erreichte Effekt lässt über einige Monate nach. Der Haarausfall setzt sich dann in der Regel dort fort, wo er ohne Behandlung stünde. Ein geplantes Absetzen besprichst du am besten mit dem behandelnden Arzt.

Quellen

  1. 1.Zito PM, et al. (2024). Finasteride. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK513329/
  2. 2.McClellan KJ, Markham A. (1999). Finasteride: a review of its use in male pattern hair loss. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9951956/
  3. 3.Kaufman KD, et al. (2008). Long-term treatment with finasteride 1 mg decreases the likelihood of developing further visible hair loss in men with androgenetic alopecia. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18573712/

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Beantworte ein paar Fragen zu deiner Situation, und unsere Ärztinnen und Ärzte prüfen, ob eine Behandlung für dich geeignet ist. Ärztlich begleitet und ohne lange Wartezeit.

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Die dargestellten Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung. Sie sind keine persönliche Therapieempfehlung und kein Angebot eines bestimmten Arzneimittels. Ob eine Behandlung geeignet ist und welche Medikation oder Dosierung infrage kommt, entscheidet ausschließlich der behandelnde Arzt nach Prüfung deiner Angaben. Eine Verordnung ist nicht garantiert. Du kannst ein ärztlich ausgestelltes Rezept bei einer Apotheke deiner Wahl einlösen oder auf Wunsch die Versorgung über unsere Partnerapotheke nutzen.