Finasterid ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff gegen erblich bedingten Haarausfall beim Mann. Er hemmt ein Enzym, das Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt, den wichtigsten Treiber dieser Haarausfall-Form. Die 1-mg-Tablette und ein topisches Spray sind in Deutschland gegen erblich bedingten Haarausfall beim Mann zugelassen, beide verschreibungspflichtig. Der Wirkstoff erhält vorhandenes Haar und bremst den weiteren Verlust; er wirkt nur, solange du ihn anwendest.
Wie wirkt Finasterid?
Finasterid wird bei erblich bedingtem Haarausfall (androgenetische Alopezie) eingesetzt, der häufigsten Form von Haarverlust beim Mann. Auslöser ist die Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber dem Hormon Dihydrotestosteron, kurz DHT. DHT lässt empfindliche Haarfollikel nach und nach schrumpfen, die Haare werden dünner, kürzer und fallen schließlich aus. Wie dieser Zusammenhang genau funktioniert, liest du unter DHT und Haarausfall.
Finasterid gehört zur Gruppe der 5-Alpha-Reduktase-Hemmer. Es blockiert vor allem den Typ II dieses Enzyms, das Testosteron in DHT umwandelt. Dadurch sinkt der DHT-Spiegel in Kopfhaut und Blut, und die schädigende Wirkung auf die Haarfollikel lässt nach.1 Anders als Minoxidil, das am Haarzyklus ansetzt, greift Finasterid in den Hormonstoffwechsel ein.
Wichtig für realistische Erwartungen: Finasterid bremst den Verlust und kann geschwächte Haare kräftigen. Ein Wunder ist es nicht. Vollständig abgestorbene Haarwurzeln an bereits kahlen Stellen bringt es nicht zurück. Deshalb wirkt eine Behandlung umso besser, je früher sie beginnt, solange noch aktive Follikel vorhanden sind.
Was Finasterid bewirken kann
Finasterid ist einer der am besten untersuchten Wirkstoffe gegen erblich bedingten Haarausfall beim Mann. In den Zulassungsstudien mit der 1-mg-Tablette zeigte sich über fünf Jahre bei etwa 90 von 100 behandelten Männern kein weiter sichtbar fortschreitender Haarausfall: Ein Teil verbesserte sich sichtbar, bei den Übrigen blieb der Zustand stabil. In der Placebogruppe schritt der Haarausfall dagegen bei der Mehrheit weiter fort.2
Daraus lassen sich zwei Dinge ableiten. Finasterid stoppt oder verlangsamt den Verlust bei einem Großteil der Männer. Und der wichtigste Effekt ist der Erhalt: Haare zu behalten, die sonst ausgefallen wären, ist realistischer als ein deutliches Nachwachsen.
Reicht Finasterid allein nicht aus, gibt es weitere ärztlich verordenbare Wirkstoffe, teils außerhalb ihrer Zulassung (off-label). Wie ein Wechsel aussehen kann, liest du unter von Finasterid auf Dutasterid wechseln.
Wie wird Finasterid angewendet und ist es zugelassen?
Finasterid gibt es gegen erblich bedingten Haarausfall in zwei Formen, beide verschreibungspflichtig.
Die orale Tablette mit 1 mg Finasterid ist in Deutschland zur Behandlung des erblich bedingten Haarausfalls beim Mann zugelassen. Du nimmst sie einmal täglich ein, unabhängig von den Mahlzeiten.
Auch ein topisches Finasterid (Spray) ist in Deutschland für Männer mit erblich bedingtem Haarausfall zugelassen und verschreibungspflichtig. Du trägst es auf die Kopfhaut auf. Weil der Wirkstoff überwiegend lokal wirkt, gelangt weniger davon in den Kreislauf als bei der Tablette.3 Welche Form infrage kommt, hängt von deiner Situation, der Verträglichkeit und deiner Vorliebe ab. Bei ausgeprägtem Haarausfall kombinieren Ärztinnen und Ärzte Finasterid manchmal mit Minoxidil, das an einem anderen Punkt ansetzt.
Beide Formen sind ärztlich verordenbar, wenn eine Behandlung medizinisch geeignet ist. Ob Finasterid für dich passt, prüfen unsere Ärztinnen und Ärzte anhand deiner Gesundheitsangaben. Ein zugelassenes Medikament kann ein Arzt im Einzelfall auch außerhalb des zugelassenen Anwendungsgebiets verordnen (off-label), wenn er Nutzen und Risiko abwägt.
Nebenwirkungen
Die meisten Männer vertragen Finasterid gut. Bei einer Minderheit treten Nebenwirkungen auf, die mit dem Eingriff in den Hormonstoffwechsel zusammenhängen.
Im Vordergrund stehen sexuelle Funktionsstörungen:
- Nachlassende Libido: vermindertes sexuelles Verlangen.
- Erektionsstörungen: eine Erektion lässt sich schwerer erreichen oder halten.
- Veränderungen beim Samenerguss: etwa eine geringere Ejakulatmenge.
Diese Beschwerden bilden sich bei den meisten Männern zurück, wenn Finasterid abgesetzt wird, bei einem Teil auch schon unter fortgesetzter Anwendung. Es gibt jedoch Berichte, in denen sexuelle Funktionsstörungen nach dem Absetzen längere Zeit anhielten.4
Möglich sind außerdem Stimmungsveränderungen, darunter depressive Verstimmung. Worauf du dabei achten solltest, steht unter Warnhinweise.
Über anhaltende Beschwerden nach dem Absetzen wird unter dem Begriff Post-Finasterid-Syndrom diskutiert. Ob es sich um ein eigenständiges Krankheitsbild handelt und wie häufig es ist, ist wissenschaftlich bisher nicht geklärt. Nimm neue oder anhaltende Beschwerden trotzdem ernst und besprich sie ärztlich. Einen ausführlichen Überblick findest du unter Finasterid und Nebenwirkungen.
Wechselwirkungen und Gegenanzeigen
Finasterid darf nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.
Die wichtigste Gegenanzeige betrifft Frauen im gebärfähigen Alter und in der Schwangerschaft. Finasterid kann die Entwicklung der äußeren Geschlechtsorgane eines männlichen Fötus stören. Deshalb dürfen Schwangere Finasterid weder einnehmen noch mit zerbrochenen oder zerdrückten Tabletten in Berührung kommen, da der Wirkstoff über die Haut aufgenommen werden kann. Ganze, unbeschädigte Tabletten sind mit einem Filmüberzug versehen, der den Kontakt mit dem Wirkstoff bei normalem Umgang verhindert. Mehr dazu unter Finasterid, Kinderwunsch und Schwangerschaft.
Für die Tablette sind bislang keine bedeutsamen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt. Trotzdem gilt: Nenne uns in der Anamnese deine Vorerkrankungen und alle Mittel, die du einnimmst. So prüfen unsere Ärztinnen und Ärzte, ob Finasterid in deinem Fall geeignet ist.
Warnhinweise
Behörden wie das BfArM und die europäische Arzneimittelagentur EMA weisen bei Finasterid ausdrücklich auf sexuelle und psychische Nebenwirkungen hin.
Ein Rote-Hand-Brief von 2018 nennt Berichte über Stimmungsveränderungen, darunter depressive Verstimmung, Depression und Suizidgedanken.4 2025 wurden die Warnhinweise verschärft: Wer unter oralem Finasterid gegen Haarausfall eine depressive Verstimmung, eine Depression oder Suizidgedanken bemerkt, soll die Anwendung beenden und ärztlichen Rat einholen.5 Bemerkst du solche Veränderungen bei dir, nimm sie ernst und wende dich an einen Arzt.
Finasterid senkt außerdem den PSA-Wert im Blut, um etwa 40 bis 50 Prozent. Der PSA-Wert wird zur Früherkennung von Prostatakrebs herangezogen.6 Wenn bei dir ein PSA-Test ansteht, sag der Ärztin oder dem Arzt, dass du Finasterid anwendest, damit der Wert richtig eingeordnet wird.
Bewahre Finasterid außer Reichweite von Kindern auf.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis Finasterid wirkt?
Plan für mehrere Monate. Erste Veränderungen zeigen sich meist nach drei bis sechs Monaten, verlässlich beurteilen lässt sich das Ergebnis oft erst nach etwa zwölf Monaten regelmäßiger Anwendung. Zu Beginn kann der Haarausfall vorübergehend zunehmen. Wer nach wenigen Wochen bilanziert, urteilt zu früh.
Finasterid oder Minoxidil, was ist besser?
Die beiden Wirkstoffe setzen an unterschiedlichen Punkten an. Finasterid senkt den DHT-Spiegel und greift damit in die Ursache des erblich bedingten Haarausfalls ein. Minoxidil wirkt am Haarzyklus und verlängert die Wachstumsphase. Welcher Wirkstoff oder ob eine Kombination sinnvoll ist, hängt von deiner Situation ab und entscheidet ein Arzt gemeinsam mit dir.
Finasterid und Kinderwunsch, geht das zusammen?
Beim Mann mit Kinderwunsch besprichst du die Anwendung am besten ärztlich; in Einzelfällen kann Finasterid die Samenqualität beeinflussen. Für Frauen ist die Lage eindeutig: In der Schwangerschaft ist Finasterid kontraindiziert, weil es die Geschlechtsentwicklung eines männlichen Fötus stören kann. Schwangere sollten auch zerbrochene oder zerdrückte Tabletten nicht anfassen.
Was passiert, wenn ich Finasterid absetze?
Finasterid wirkt nur, solange du es anwendest. Nach dem Absetzen steigt der DHT-Spiegel wieder, und der Haarausfall setzt sich über die folgenden Monate dort fort, wo er ohne Behandlung stünde. Der über die Behandlung erreichte Zugewinn geht dann meist verloren. Ein geplantes Absetzen besprichst du am besten ärztlich.
Ist Finasterid rezeptpflichtig?
Ja. Sowohl die Tablette als auch das Spray sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Ein Arzt verordnet Finasterid, wenn er eine Behandlung im Einzelfall für medizinisch geeignet hält.
Macht Finasterid impotent?
Bei einer Minderheit der Männer treten sexuelle Nebenwirkungen auf, etwa nachlassende Libido oder Erektionsstörungen. Bei den meisten bilden sie sich nach dem Absetzen zurück, in einzelnen Berichten hielten sie länger an. Wenn dich solche Beschwerden belasten, besprich sie ärztlich, statt die Anwendung auf eigene Faust zu ändern.
Quellen
- 1.Zito PM, et al. (2024). Finasteride. StatPearls. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK513329/
- 2.Kaufman KD, et al. (2008). Long-term treatment with finasteride 1 mg decreases the likelihood of developing further visible hair loss in men with androgenetic alopecia (male pattern hair loss). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18573712/
- 3.Siebenand S. (2023). Finasterid zum Sprühen statt zum Schlucken. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/finasterid-zum-spruehen-statt-zum-schlucken-138301/
- 4.Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (2018). Rote-Hand-Brief zu Finasterid: Risiko sexueller Dysfunktionen und psychischer Störungen. https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2018/rhb-finasterid.html
- 5.Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (2025). Rote-Hand-Brief zu Finasterid und Dutasterid: Neue Maßnahmen zur Minimierung des Risikos für Suizidgedanken. https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RHB/2025/rhb-finasterid.html
- 6.D'Amico AV, Roehrborn CG (2007). Effect of 1 mg/day finasteride on concentrations of serum prostate-specific antigen in men with androgenic alopecia: a randomised controlled trial. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1470204506709810

